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Risikofaktor Übergewicht – Prävention, Diagnose, Therapie, Folgeerkrankungen | whale.health
Basics Leitlinien

Richtig
abnehmen

angelehnt an die Leitlinie für Prävention und Therapie von Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) von 2024

📅 Veröffentlicht am 20.06.2025
🔄 Überarbeitet am 20.06.2025
⏱ Lesedauer ca. 18 min
Dr. med. Oliver Paul
Dr. med. Oliver Paul
Founder & Chief of Health, whale.health
Das Wichtigste in Kürze
01
Warum ist Früherkennung so wichtig?
Die Behandlung lässt sich in frühen Stadien deutlich leichter umsetzen. Je stärker das Übergewicht fortgeschritten ist, desto schwieriger wird es, dauerhaft abzunehmen.
02
Wie lässt sich Übergewicht erkennen?
Über den BMI ab 25 kg/m². Zusätzlich ist die Messung des Taillenumfangs wichtig: über 102 cm (Männer) bzw. 88 cm (Frauen) zeigt ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
03
Wie kann Übergewicht behandelt werden?
Auf drei Ebenen: Lifestyle (Sport, Ernährung), Medikamente (Abnehmspritzen) und bariatrische Operationen. Lifestyle ist immer die Basis.
04
Was sind mögliche Folgeerkrankungen?
Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Gelenkbeschwerden und Depressionen. Stark übergewichtige Menschen verlieren im Schnitt bis zu 8–10 Lebensjahre.

Ziel dieses Artikels

Dieser Artikel soll Menschen dabei helfen, selbständig und frühzeitig krankhaftes Übergewicht (Adipositas) zu erkennen und zu behandeln.

Übergewicht ist eine chronische Erkrankung, die schwer zu behandeln ist, da die Therapie meist einen tiefgreifenden Einschnitt in die Lebensweise erfordert und sich die Erfolge oft erst nach langer Zeit zeigen. Die Eigenverantwortung für die Behandlung ist sehr hoch, weshalb sie von Betroffenen gut verstanden werden sollte. Die Dringlichkeit zu handeln ergibt sich aus den Folgeproblemen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eingeschränkter Lebensqualität.

Übergewicht in Zahlen – Deutschland

Mehr als die Hälfte aller Deutschen sind übergewichtig

In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig – rund 53 % haben einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder mehr. Etwa 19 % erfüllen sogar die Kriterien für eine Adipositas (BMI ≥ 30). Besonders häufig betroffen sind Männer und ältere Menschen. Damit gehört Übergewicht zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen hierzulande – und die Tendenz ist seit Jahren steigend.

Übergewicht führt zu vielen weiteren Erkrankungen

Übergewicht kann eine Reihe ernsthafter Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Besonders häufig treten Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt oder Schlaganfall auf. Auch die Gelenke leiden unter dem zusätzlichen Gewicht. Zudem steigt das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen deutlich an.

Übergewicht klaut dir bis zu 10 Jahre Lebenszeit

Übergewicht verkürzt nicht nur die Lebenserwartung – stark adipöse Menschen verlieren im Schnitt bis zu 8–10 Lebensjahre –, sondern sie verbringen auch deutlich mehr Zeit in gesundheitlicher Einschränkung. Viele Betroffene leben über Jahre mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkproblemen.

53%
der Menschen in Deutschland sind übergewichtig
19%
der Menschen in Deutschland sind krankhaft übergewichtig (adipös)
5%
Gewichtsreduktion ist ausreichend, um die eigene Gesundheit positiv zu beeinflussen

Die Diagnostik von Übergewicht

Übergewicht wird in der Regel über den Body-Mass-Index (BMI) diagnostiziert. Ab einem BMI von 25 kg/m² spricht man von Übergewicht und ab einem BMI von 30 kg/m² von krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Da der BMI keine Aussage über die Fettverteilung trifft und bei muskulösen Personen zu Fehleinschätzungen führen kann, ist die zusätzliche Messung des Taillenumfangs oder des Taille-Hüft-Verhältnisses besonders wichtig.

Ein Taillenumfang über 102 cm bei Männern bzw. 88 cm bei Frauen weist auf eine ungesunde Verteilung des Körperfetts hin – selbst wenn der BMI noch im Normalbereich liegt. Ein Taille-Hüft-Verhältnis über 0,90 (Männer) / 0,85 (Frauen) gilt als erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Selbst prüfen in 3 Schritten

01

BMI berechnen

Körpergewicht (kg) ÷ Körpergröße (m)². Ab BMI 25 = Übergewicht, ab BMI 30 = Adipositas.

02

Taillenumfang messen

Stehend auf Höhe des Bauchnabels mit einem Maßband. Zielwert: Männer unter 102 cm, Frauen unter 88 cm.

03

Taille-Hüft-Verhältnis berechnen

Taillenumfang ÷ Hüftumfang. Zielwert: Männer unter 0,90 – Frauen unter 0,85.

Adipositas-Klassifikation nach BMI

Kategorie Einteilung BMI (kg/m²)
Untergewicht*Untergewichtig< 18,5
NormalgewichtNormal18,5 – 24,9
ÜbergewichtÜbergewicht≥ 25,0
PräadipositasLeichtes Übergewicht25,0 – 29,9
Adipositas Grad IAdipösitas I30,0 – 34,9
Adipositas Grad IIAdipösitas II35,0 – 39,9
Adipositas Grad IIISchwere Adipositas≥ 40

* Achtung: Auch Untergewicht ist gesundheitsschädlich! Es erhöht das Risiko für Nährstoffmangel, Infektanfälligkeit, Osteoporose und mehr.

Der BMI und seine Grenzen

Der Body-Mass-Index (BMI) wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert als statistisches Maß zur Beschreibung von Durchschnittskörpern entwickelt – nicht zur Diagnose beim Einzelnen. Er berücksichtigt weder Muskelmasse noch Fettverteilung. Dadurch kann er bei sehr muskulösen Menschen ein Übergewicht vortäuschen oder bei Menschen mit viel Bauchfett ein Risiko unterschätzen. Deshalb sollte er immer mit Taillenumfang oder Taille-Hüft-Verhältnis ergänzt werden.

Screening auf Übergewicht

Mit einer handelsüblichen Waage und einem Maßband lassen sich BMI, Taillen- und Hüftumfang unkompliziert selbst bestimmen. So kann jeder frühzeitig erkennen, ob ein gesundheitlich relevantes Übergewicht vorliegt – lange bevor Beschwerden auftreten. Die Messung sollte bei Übergewicht monatlich durchgeführt und dokumentiert werden, um den Gewichtsverlauf zu beurteilen.

Adipositas als Folge einer Erkrankung

Bei der Diagnostik sollte immer auch geprüft werden, ob hormonelle oder systemische Erkrankungen zur Gewichtszunahme beitragen – insbesondere bei plötzlicher, ausgeprägter oder therapieresistenter Gewichtszunahme:

Relevante Erkrankungen: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Cushing-Syndrom (zuviel Kortisol), Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bei Frauen, Testosteronmangel. Auch Medikamente wie Antidepressiva oder Kortison können Übergewicht fördern.

Die Therapie bei Übergewicht

Ein gesunder Lifestyle sollte immer zur Therapie gehören – unabhängig davon, ob zusätzlich Medikamente oder Operationen zum Einsatz kommen.

„Die Therapie der Adipositas ist nicht abnehmen, sondern Muskeln aufbauen."
— Oliver Paul, Chief of Health (CoH) bei whale.health
Therapiestufe 1 · Immer

Lifestyle

Sport, Ernährungsumstellung, Verhaltenstherapie. Die Basis jeder Therapie und Begleittherapie bei allen anderen Methoden.

3–10%

durchschnittlicher Gewichtsverlust

Nachhaltigkeit

Effekt hält nur solange an, wie der Lifestyle umgesetzt wird; hohe Rückfallrate.

Therapiestufe 3 · Letzte Option

Bariatrische Operation

Schlauchmagen oder Magenbypass. Effektivste Methode bei schwerer Adipositas, verbessert auch Begleiterkrankungen deutlich.

25–30%

langfristig nachhaltigste Methode

Indikation

BMI ≥ 40 oder ≥ 35 mit Folgeerkrankungen, wenn alle anderen Versuche gescheitert sind.

Therapiemöglichkeiten im Vergleich

Therapieform Gewichtsverlust Nachhaltigkeit Indikation
Lebensstiländerung 3–10 % Nur solange Lifestyle umgesetzt; hohe Rückfallrate Immer
Medikamente (GLP-1-Analoga) 12–18 % Effekt meist nur solange Medikament eingenommen; bei Absetzen oft erneute Gewichtszunahme Nur bei Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes)
Bariatrische Operationen 25–30 % Langfristig am effektivsten, aber invasiv und mit operativen Risiken verbunden Nur bei schwerer Adipositas mit Folgeerkrankungen

Krankenkassen und Kostenübernahme: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Abnehmspritzen aktuell nur in Ausnahmefällen. Es lohnt sich, bei der Krankenkasse eine Kostenübernahme aktiv anzufragen – besonders bei starkem Übergewicht, gescheiterten Vorversuchen und dokumentierten Gesundheitsrisiken. Ein Gespräch mit dem Hausarzt ist der erste Schritt.

Wer sollte nicht abnehmen?

Nicht jede Person mit Übergewicht sollte abnehmen. Eine Gewichtsreduktion ist nicht sinnvoll, wenn der potenzielle Nutzen die Risiken nicht deutlich überwiegt. Wichtige Kontraindikationen sind konsumierende Erkrankungen (z. B. Krebs), akute Erkrankungen, Schwangerschaft sowie bei älteren Menschen mit hohem Risiko für Mangelernährung oder Muskelabbau.

Abnehmspritzen – Wie sie wirken und was zu beachten ist

Moderne Medikamente zur Behandlung von Adipositas nutzen natürliche Darmhormone, um den Appetit zu senken und den Stoffwechsel positiv zu beeinflussen. Die bekanntesten Wirkstoffe gehören zur Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (z. B. Semaglutid) oder GIP/GLP-1-Kombinationspräparate wie Tirzepatid.

Diese Medikamente ahmen körpereigene Hormone nach, die nach dem Essen ausgeschüttet werden und den Blutzucker regulieren. Sie helfen dem Körper durch ein früher einsetzendes Sättigungsgefühl, weniger zu essen und sich länger satt zu fühlen. Zudem halten sie den Blutzuckerspiegel konstanter, was zu weniger Verlangen nach süßen oder fettigen Lebensmitteln führt.

GLP-1-Agonist
Semaglutid
Wegovy®

1× wöchentliche Injektion unter die Haut (subkutan)

GIP/GLP-1-Kombination
Tirzepatid
Mounjaro®

1× wöchentliche Injektion unter die Haut (subkutan)

Typische Nebenwirkungen

Übelkeit, Völlegefühl, Blähungen
Erbrechen oder Durchfall, seltener Verstopfung

Wirkungsweise der bariatrischen Operationen

Bei bariatrischen Operationen handelt es sich um chirurgische Eingriffe mit dem Ziel, den Magen zu verkleinern bzw. die Aufnahmestrecke für Nährstoffe zu verkürzen.

Schlauchmagen

Ein großer Teil des Magens wird entfernt, sodass nur ein schmaler Schlauch übrig bleibt. Dadurch passt deutlich weniger Nahrung hinein, man wird schneller satt.

Magenbypass

Der Magen wird verkleinert und eine Umgehung von Magen und Teilen des Dünndarms hergestellt, wodurch weniger Nährstoffe aufgenommen werden.

Durch diese Mechanismen kommt es in der Regel zu einer starken und langfristigen Gewichtsabnahme. Zudem haben die Eingriffe einen positiven Einfluss auf Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Die abnehmende Wirkung entsteht durch schnelleres Sättigungsgefühl, weniger Nährstoffaufnahme und veränderte Hunger- und Sättigungshormone.

Folgeerkrankungen durch langjähriges Übergewicht

Übermäßiges Körperfett – insbesondere im Bauchraum – kann tiefgreifende Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und sogar die Psyche haben. Es erhöht das Risiko für eine Vielzahl von Folgeerkrankungen und verschlechtert das Outcome von nahezu jeder Erkrankung.

1. Diabetes mellitus Typ 2

Übergewicht führt zu Insulinresistenz: Der Körper muss immer mehr Insulin für dieselbe Wirkung produzieren, was langfristig zu dauerhaft erhöhtem Blutzucker und Diabetes führt.

2. Bluthochdruck

Ein höheres Körpergewicht belastet das Herz-Kreislauf-System dauerhaft und kann zu erhöhtem Blutdruck führen, welcher Blutgefäße, Herz, Gehirn und Nieren schädigt.

3. Herzerkrankungen und Schlaganfälle

Adipositas begünstigt Arterienverkalkung (Atherosklerose) und fördert Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche.

4. Nicht-alkoholische Fettleber

Fett lagert sich in der Leber ein, was zu Entzündungen und langfristig zu Leberfibrose oder Leberzirrhose führen kann – selbst ohne Alkoholkonsum.

5. Schlafapnoe

Nächtliche Atempausen führen zu schlechter Schlafqualität und erhöhen das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfälle und Herzkrankheiten.

6. Gelenkerkrankungen (Arthrose)

Das zusätzliche Gewicht belastet vor allem Knie, Hüften und Wirbelsäule und führt zu schnellerem Gelenkverschleiß, chronischen Schmerzen durch Arthrose oder Bandscheibenvorfällen.

7. Metabolisches Syndrom

Die Kombination aus bauchbetontem Übergewicht, erhöhtem Blutzucker, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten steigert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes erheblich. Besonders gefährlicher Frühwarnkomplex.

8. Depressionen

Übergewicht kann zu Depressionen, Angststörungen und einem verminderten Selbstwertgefühl führen – auch durch gesellschaftliche Stigmatisierung und sozialen Rückzug.

Häufig gestellte Fragen

Übergewicht liegt ab einem BMI von 25 kg/m² vor (Körpergewicht in kg ÷ Körpergröße in m²). Adipositas beginnt ab BMI 30. Zusätzlich: Taillenumfang über 102 cm (Männer) bzw. 88 cm (Frauen) oder ein Taille-Hüft-Verhältnis über 0,90 (M) / 0,85 (F) zeigen ein erhöhtes Risiko – auch bei normalem BMI. Diese Werte lassen sich einfach zu Hause mit Waage und Maßband bestimmen.
Mit Lifestyleveränderungen (Ernährung + Sport) lassen sich realistisch 3–10 % Gewichtsreduktion erreichen. Das klingt wenig, hat aber bereits deutliche gesundheitliche Vorteile: Schon 5 % Gewichtsreduktion verbessern Blutzucker, Blutdruck und Blutfette messbar. Der Haken: Der Effekt hält nur solange an, wie der Lifestyle konsequent umgesetzt wird – die Rückfallrate ist hoch. Langfristiger Erfolg erfordert dauerhafte Verhaltensänderungen, nicht kurzfristige Diäten.
Der erste Schritt ist immer das Gespräch mit dem Hausarzt. Je nach Schweregrad und Begleiterkrankungen kann dieser Lifestyle-Beratung empfehlen (Ernährungsberater, Fitnesstrainer, Psychotherapeut), eine medikamentöse Therapie einleiten (bei BMI ≥ 30) oder an ein spezialisiertes Adipositas-Zentrum überweisen (bei BMI ≥ 35–40). Früh ansprechen lohnt sich – je früher man handelt, desto einfacher wird die Behandlung.
Übergewicht erhöht das Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Fettleber, Schlafapnoe, Gelenkarthrose und Depressionen. Stark adipöse Menschen verlieren im Schnitt bis zu 8–10 Lebensjahre. Besonders gefährlich ist das metabolische Syndrom – die Kombination aus Bauchfett, erhöhtem Blutzucker, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten.

Unser Anliegen und Disclaimer

Dass Volkskrankheiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Menschen aus niedrigen Einkommens- und Bildungsverhältnissen treffen, ist ein brisantes Thema. Dieser Artikel erreicht vermutlich eher Menschen aus dem höheren Bildungs- und Einkommensniveau. Solltest du das hier lesen und dich selbst in der Gruppe „niedriger sozioökonomischer Status" sehen, melde dich gerne bei uns.

Disclaimer: Dies ist keine medizinische Beratung und ersetzt nicht den Arztbesuch. Dies ist lediglich unsere Idee von Gesundheit und es wird keine Haftung für die Umsetzung dieser Idee übernommen.

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