Ziel dieses Artikels
Dieser Artikel soll Menschen dabei helfen, selbständig und frühzeitig krankhaftes Übergewicht (Adipositas) zu erkennen und zu behandeln.
Übergewicht ist eine chronische Erkrankung, die schwer zu behandeln ist, da die Therapie meist einen tiefgreifenden Einschnitt in die Lebensweise erfordert und sich die Erfolge oft erst nach langer Zeit zeigen. Die Eigenverantwortung für die Behandlung ist sehr hoch, weshalb sie von Betroffenen gut verstanden werden sollte. Die Dringlichkeit zu handeln ergibt sich aus den Folgeproblemen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eingeschränkter Lebensqualität.
Übergewicht in Zahlen – Deutschland
Mehr als die Hälfte aller Deutschen sind übergewichtig
In Deutschland sind mehr als die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig – rund 53 % haben einen Body-Mass-Index (BMI) von 25 oder mehr. Etwa 19 % erfüllen sogar die Kriterien für eine Adipositas (BMI ≥ 30). Besonders häufig betroffen sind Männer und ältere Menschen. Damit gehört Übergewicht zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen hierzulande – und die Tendenz ist seit Jahren steigend.
Übergewicht führt zu vielen weiteren Erkrankungen
Übergewicht kann eine Reihe ernsthafter Folgeerkrankungen nach sich ziehen. Besonders häufig treten Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt oder Schlaganfall auf. Auch die Gelenke leiden unter dem zusätzlichen Gewicht. Zudem steigt das Risiko für psychische Erkrankungen wie Depressionen deutlich an.
Übergewicht klaut dir bis zu 10 Jahre Lebenszeit
Übergewicht verkürzt nicht nur die Lebenserwartung – stark adipöse Menschen verlieren im Schnitt bis zu 8–10 Lebensjahre –, sondern sie verbringen auch deutlich mehr Zeit in gesundheitlicher Einschränkung. Viele Betroffene leben über Jahre mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Gelenkproblemen.
Die Diagnostik von Übergewicht
Übergewicht wird in der Regel über den Body-Mass-Index (BMI) diagnostiziert. Ab einem BMI von 25 kg/m² spricht man von Übergewicht und ab einem BMI von 30 kg/m² von krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Da der BMI keine Aussage über die Fettverteilung trifft und bei muskulösen Personen zu Fehleinschätzungen führen kann, ist die zusätzliche Messung des Taillenumfangs oder des Taille-Hüft-Verhältnisses besonders wichtig.
Ein Taillenumfang über 102 cm bei Männern bzw. 88 cm bei Frauen weist auf eine ungesunde Verteilung des Körperfetts hin – selbst wenn der BMI noch im Normalbereich liegt. Ein Taille-Hüft-Verhältnis über 0,90 (Männer) / 0,85 (Frauen) gilt als erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Selbst prüfen in 3 Schritten
BMI berechnen
Körpergewicht (kg) ÷ Körpergröße (m)². Ab BMI 25 = Übergewicht, ab BMI 30 = Adipositas.
Taillenumfang messen
Stehend auf Höhe des Bauchnabels mit einem Maßband. Zielwert: Männer unter 102 cm, Frauen unter 88 cm.
Taille-Hüft-Verhältnis berechnen
Taillenumfang ÷ Hüftumfang. Zielwert: Männer unter 0,90 – Frauen unter 0,85.
Adipositas-Klassifikation nach BMI
| Kategorie | Einteilung | BMI (kg/m²) |
|---|---|---|
| Untergewicht* | Untergewichtig | < 18,5 |
| Normalgewicht | Normal | 18,5 – 24,9 |
| Übergewicht | Übergewicht | ≥ 25,0 |
| Präadipositas | Leichtes Übergewicht | 25,0 – 29,9 |
| Adipositas Grad I | Adipösitas I | 30,0 – 34,9 |
| Adipositas Grad II | Adipösitas II | 35,0 – 39,9 |
| Adipositas Grad III | Schwere Adipositas | ≥ 40 |
* Achtung: Auch Untergewicht ist gesundheitsschädlich! Es erhöht das Risiko für Nährstoffmangel, Infektanfälligkeit, Osteoporose und mehr.
Der BMI und seine Grenzen
Der Body-Mass-Index (BMI) wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert als statistisches Maß zur Beschreibung von Durchschnittskörpern entwickelt – nicht zur Diagnose beim Einzelnen. Er berücksichtigt weder Muskelmasse noch Fettverteilung. Dadurch kann er bei sehr muskulösen Menschen ein Übergewicht vortäuschen oder bei Menschen mit viel Bauchfett ein Risiko unterschätzen. Deshalb sollte er immer mit Taillenumfang oder Taille-Hüft-Verhältnis ergänzt werden.
Screening auf Übergewicht
Mit einer handelsüblichen Waage und einem Maßband lassen sich BMI, Taillen- und Hüftumfang unkompliziert selbst bestimmen. So kann jeder frühzeitig erkennen, ob ein gesundheitlich relevantes Übergewicht vorliegt – lange bevor Beschwerden auftreten. Die Messung sollte bei Übergewicht monatlich durchgeführt und dokumentiert werden, um den Gewichtsverlauf zu beurteilen.
Adipositas als Folge einer Erkrankung
Bei der Diagnostik sollte immer auch geprüft werden, ob hormonelle oder systemische Erkrankungen zur Gewichtszunahme beitragen – insbesondere bei plötzlicher, ausgeprägter oder therapieresistenter Gewichtszunahme:
Relevante Erkrankungen: Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Cushing-Syndrom (zuviel Kortisol), Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bei Frauen, Testosteronmangel. Auch Medikamente wie Antidepressiva oder Kortison können Übergewicht fördern.
Die Therapie bei Übergewicht
Ein gesunder Lifestyle sollte immer zur Therapie gehören – unabhängig davon, ob zusätzlich Medikamente oder Operationen zum Einsatz kommen.
Lifestyle
Sport, Ernährungsumstellung, Verhaltenstherapie. Die Basis jeder Therapie und Begleittherapie bei allen anderen Methoden.
durchschnittlicher Gewichtsverlust
Effekt hält nur solange an, wie der Lifestyle umgesetzt wird; hohe Rückfallrate.
Medikamente (Abnehmspritzen)
GLP-1-Analoga wie Semaglutid (Wegovy) oder Tirzepatid (Mounjaro) – moderne Wirkstoffe mit starker Evidenz.
je nach Präparat und Dosierung
BMI ≥ 30 oder BMI ≥ 27 mit Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes oder Bluthochdruck.
Bariatrische Operation
Schlauchmagen oder Magenbypass. Effektivste Methode bei schwerer Adipositas, verbessert auch Begleiterkrankungen deutlich.
langfristig nachhaltigste Methode
BMI ≥ 40 oder ≥ 35 mit Folgeerkrankungen, wenn alle anderen Versuche gescheitert sind.
Therapiemöglichkeiten im Vergleich
| Therapieform | Gewichtsverlust | Nachhaltigkeit | Indikation |
|---|---|---|---|
| Lebensstiländerung | 3–10 % | Nur solange Lifestyle umgesetzt; hohe Rückfallrate | Immer |
| Medikamente (GLP-1-Analoga) | 12–18 % | Effekt meist nur solange Medikament eingenommen; bei Absetzen oft erneute Gewichtszunahme | Nur bei Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes) |
| Bariatrische Operationen | 25–30 % | Langfristig am effektivsten, aber invasiv und mit operativen Risiken verbunden | Nur bei schwerer Adipositas mit Folgeerkrankungen |
Krankenkassen und Kostenübernahme: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für Abnehmspritzen aktuell nur in Ausnahmefällen. Es lohnt sich, bei der Krankenkasse eine Kostenübernahme aktiv anzufragen – besonders bei starkem Übergewicht, gescheiterten Vorversuchen und dokumentierten Gesundheitsrisiken. Ein Gespräch mit dem Hausarzt ist der erste Schritt.
Wer sollte nicht abnehmen?
Nicht jede Person mit Übergewicht sollte abnehmen. Eine Gewichtsreduktion ist nicht sinnvoll, wenn der potenzielle Nutzen die Risiken nicht deutlich überwiegt. Wichtige Kontraindikationen sind konsumierende Erkrankungen (z. B. Krebs), akute Erkrankungen, Schwangerschaft sowie bei älteren Menschen mit hohem Risiko für Mangelernährung oder Muskelabbau.
Abnehmspritzen – Wie sie wirken und was zu beachten ist
Moderne Medikamente zur Behandlung von Adipositas nutzen natürliche Darmhormone, um den Appetit zu senken und den Stoffwechsel positiv zu beeinflussen. Die bekanntesten Wirkstoffe gehören zur Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (z. B. Semaglutid) oder GIP/GLP-1-Kombinationspräparate wie Tirzepatid.
Diese Medikamente ahmen körpereigene Hormone nach, die nach dem Essen ausgeschüttet werden und den Blutzucker regulieren. Sie helfen dem Körper durch ein früher einsetzendes Sättigungsgefühl, weniger zu essen und sich länger satt zu fühlen. Zudem halten sie den Blutzuckerspiegel konstanter, was zu weniger Verlangen nach süßen oder fettigen Lebensmitteln führt.
1× wöchentliche Injektion unter die Haut (subkutan)
1× wöchentliche Injektion unter die Haut (subkutan)
Typische Nebenwirkungen
Wirkungsweise der bariatrischen Operationen
Bei bariatrischen Operationen handelt es sich um chirurgische Eingriffe mit dem Ziel, den Magen zu verkleinern bzw. die Aufnahmestrecke für Nährstoffe zu verkürzen.
Schlauchmagen
Ein großer Teil des Magens wird entfernt, sodass nur ein schmaler Schlauch übrig bleibt. Dadurch passt deutlich weniger Nahrung hinein, man wird schneller satt.
Magenbypass
Der Magen wird verkleinert und eine Umgehung von Magen und Teilen des Dünndarms hergestellt, wodurch weniger Nährstoffe aufgenommen werden.
Durch diese Mechanismen kommt es in der Regel zu einer starken und langfristigen Gewichtsabnahme. Zudem haben die Eingriffe einen positiven Einfluss auf Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Die abnehmende Wirkung entsteht durch schnelleres Sättigungsgefühl, weniger Nährstoffaufnahme und veränderte Hunger- und Sättigungshormone.
Folgeerkrankungen durch langjähriges Übergewicht
Übermäßiges Körperfett – insbesondere im Bauchraum – kann tiefgreifende Auswirkungen auf den gesamten Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und sogar die Psyche haben. Es erhöht das Risiko für eine Vielzahl von Folgeerkrankungen und verschlechtert das Outcome von nahezu jeder Erkrankung.
1. Diabetes mellitus Typ 2
Übergewicht führt zu Insulinresistenz: Der Körper muss immer mehr Insulin für dieselbe Wirkung produzieren, was langfristig zu dauerhaft erhöhtem Blutzucker und Diabetes führt.
2. Bluthochdruck
Ein höheres Körpergewicht belastet das Herz-Kreislauf-System dauerhaft und kann zu erhöhtem Blutdruck führen, welcher Blutgefäße, Herz, Gehirn und Nieren schädigt.
3. Herzerkrankungen und Schlaganfälle
Adipositas begünstigt Arterienverkalkung (Atherosklerose) und fördert Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche.
4. Nicht-alkoholische Fettleber
Fett lagert sich in der Leber ein, was zu Entzündungen und langfristig zu Leberfibrose oder Leberzirrhose führen kann – selbst ohne Alkoholkonsum.
5. Schlafapnoe
Nächtliche Atempausen führen zu schlechter Schlafqualität und erhöhen das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfälle und Herzkrankheiten.
6. Gelenkerkrankungen (Arthrose)
Das zusätzliche Gewicht belastet vor allem Knie, Hüften und Wirbelsäule und führt zu schnellerem Gelenkverschleiß, chronischen Schmerzen durch Arthrose oder Bandscheibenvorfällen.
7. Metabolisches Syndrom
Die Kombination aus bauchbetontem Übergewicht, erhöhtem Blutzucker, Bluthochdruck und erhöhten Blutfetten steigert das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes erheblich. Besonders gefährlicher Frühwarnkomplex.
8. Depressionen
Übergewicht kann zu Depressionen, Angststörungen und einem verminderten Selbstwertgefühl führen – auch durch gesellschaftliche Stigmatisierung und sozialen Rückzug.
Häufig gestellte Fragen
Unser Anliegen und Disclaimer
Dass Volkskrankheiten mit einer höheren Wahrscheinlichkeit Menschen aus niedrigen Einkommens- und Bildungsverhältnissen treffen, ist ein brisantes Thema. Dieser Artikel erreicht vermutlich eher Menschen aus dem höheren Bildungs- und Einkommensniveau. Solltest du das hier lesen und dich selbst in der Gruppe „niedriger sozioökonomischer Status" sehen, melde dich gerne bei uns.
Disclaimer: Dies ist keine medizinische Beratung und ersetzt nicht den Arztbesuch. Dies ist lediglich unsere Idee von Gesundheit und es wird keine Haftung für die Umsetzung dieser Idee übernommen.